Strategiefragen
Inhalt Bereich "Strategiefragen"
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ségolène und nicolas
ein sehr lebendiger diskussionsstil zwischen ségolène und nicolas (arte.tv übersetzt die heutige debatte zur französischen präsidentschaftswahl simultan und hält sie ein woche lang zur verfügung).
offenbar kann man sich durchaus häufig unterbrechen, ohne wirklich unhöflich zu sein. das macht die diskussion flüssig und lebendig.
interessant auch - und durchaus wohltuend - wie sehr sich die moderatoren zurücknehmen und die beiden einfach reden lassen.
Schnell einen Fallschirm bauen ...
"Es ist ein bisserl wie das Abspringen von einer Klippe und man muss den Fallschirm erst erfinden, bevor man unten aufschlägt."
So beschreibt Michael Hanemann vom California Climate Change Center die gesetzlichen Vorgaben der California State Assembly, die Treibhausgase bis 2020 auf den Stand von 1990 und bis zum Jahr 2050 um vier Fünftel zurückzudrosseln. (Kleine Zeitung, 28.1.2007, S.4)
Ist das nicht auch eine Art von "Strategie", wie eine Regierung sich selbst dazu bringt, etwas Vernünftiges zu tun - weil man sich anders nicht vernünftig steuern kann. Jedenfalls ist der freie Fall über festem Boden ein starkes Motiv, rasch zu handeln!
Raus aus der Beziehungskiste
bisherige Beiträge im Standard mit dieser Stoßrichtung
Leo Specht, 10.11.2006: http://derstandard.at/?id=2654070
Christoph Chorherr, 7.11.2006: http://derstandard.at/?id=2649573
Karl Staudinger, 31.10.2006: http://derstandard.at/?url=/?id=2642144
Ist Strategie theoretisch?
Theorie und Strategie haben eines gemeinsam: Sie fordern die Fähigkeit zur Abstraktion heraus - bei der Theorie in jedem Fall, bei der Strategie immer dann, wenn strategische Entscheidungen bewusst gefällt werden sollen (was allerdings auch in der Politik nicht unbedingt immer der Fall ist).
Ansonsten aber ist ein Unterschied: Strategische Entscheidungen sind praktisches Leben - mit der Besonderheit, dass ihre praktischen Wirkungen mit einer bestimmten Zeitverzögerung eintreten und sich erst mit dieser Verzögerung herausstellt, ob die strategische Entscheidung richtig war (anders bei taktischen Entscheidungen, die im Rahmen einer Auseinandersetzung - Clausewitz würde sagen: in einem Gefecht - erfolgen und mit Ende dieser Auseinandersetzung als richtig oder falsch bzw. als erfolgreich oder gescheitert feststehen).
Bürgermeisterin und Gemeinderat - Wahlergebnis in Kematen/Krems
Die Direktwahl des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin macht diese/n - relativ - unabhängig vom Gemeinderat. Wie´s in der Praxis ausschaut, wenn die Mehrheit des Gemeinderates nicht mit der Bürgermeisterin kann, zeigt die Gemeinde Kematen an der Krems in Oberösterreich. Im heurigen Frühjahr legten mehr als die Hälfte der Mitglieder des Gemeinderates ihre Mandate nieder (und die Ersatzmitglieder detto) und erzwangen so Neuwahlen. Heute hat Kematen an der Krems gewählt. Im folgenden das Wahlergebnis - verglichen mit dem Wahlergebnis vom Herbst 2003. Die Bürgermeisterwahl geht am 9.10.2005 in die Stichwahl.
| Gemeindewahlen 25.9.2005 | |||||||||
| Bürgermeisterwahl 2005 | Gemeinderatswahl 2005 | ||||||||
| gültige Stimmen | 1365 | gültige Stimmen | 1350 | ||||||
| Mandate | |||||||||
| ÖVP (Seidler) | 615 | 45,05% | ÖVP | 586 | 43,41% | 11 | 1,76% | ||
| SPÖ (Peutlberger-N) | 529 | 38,75% | SPÖ | 552 | 40,89% | 11 | -8,22% | ||
| BLK (Graf) | 162 | 11,87% | BL Kematen | 142 | 10,52% | 2 | n.a. | ||
| LH (Haginger) | 59 | 4,32% | Liste Haginger | 70 | 5,19% | 1 | n.a. | ||
| Gemeindewahlen 29.9.2003 | |||||||||
| Wahlberechtigt | 1578 | ||||||||
| abgegebene | 1329 | ||||||||
| Wahlbeteiligung | 84,22% | ||||||||
| Bürgermeisterwahl 2003 | Gemeinderatswahl 2003 | ||||||||
| gültige Stimmen | 1255 | gültige Stimmen | 1287 | ||||||
| Mandate | |||||||||
| ÖVP | 604 | 48,13% | ÖVP | 536 | 41,65% | 11 | |||
| SPÖ | 651 | 51,87% | SPÖ | 632 | 49,11% | 12 | |||
| FPÖ | 119 | 9,25% | 2 | ||||||
Lance denkt strategisch
"Johann Bruyneel und ich saßen, berieten, wie viele Angriffe es braucht, um die Tour de France zu gewinnen.
Einen!
Einen Angriff, zwei gute Zeitfahren.
Wir hielten uns an dieses Protokoll!"
Kann man Strategien für sportliche Wettkämpfe auf die Politik übertragen? Was verhindert ähnlich beeindruckende Strategien bzw. ähnlich zielorientierte Kampagnen politischer Parteien?
Dazu einige Hypothesen:
1. Es ist in der Politik viel schwieriger, sich in Ruhe auf den politischen Wettbewerb vorzubereiten.
2. Die Erwartungen an PolitikerInnen - insbesondere an SpitzenkandidatInnen - sind um vieles vielfältiger.
3. Die Gier nach dem Sieg und die Panik vor der Niederlage erschweren strategisches Denken und Handeln beträchtlich.
Clausewitz: Strategie = Kunst mit einem Objekt, das reagiert
Clausewitz fasst alles zusammen und bringt es auf einen Punkt, meint Jack Welch, der sich als Manager von General Electric mit Strategie im Wirtschaftsbereich beschäftigt und praktisch betätigt hat. Strategie ist keine Formel. Vielmehr geht es darum, die großen Ziele festzulegen und Chancen zu ergreifen, sowie sich sich ergeben.
Die formelhafte Berechnung von Strategien scheitert sowohl im Krieg - mit dem sich Clausewitz auseinandersetzt - als auch in der Politik an einem besonderen Grund: In beiden Fällen geht es darum, mit einem "Gegenstand" umzugehen, der weder tot (wie der Stein in der Bildhauerei) noch passiv ist, sondern der reagiert. Erinnert mich an Bion, der hinterfrägt, ob "society an intelligible field of study" sein kann - weil Gesellschaft kein Gegenstand ist wie die Natur, sondern ganz anders zu erforschen ist.

